Ein Ort, der zeigt, wie es geht: Leichtfüßig. Anspruchsvoll. Und ganz ohne Chichi.
Wer kennt das nicht? Man kommt aus dem Urlaub zurück – voller Eindrücke, voller Geschmack, voller Sonne. Und schon auf der Rückfahrt beschleicht einen dieses Gefühl: Jetzt wird’s wieder fad. Der Alltag wartet. Und obwohl man sich freut, wenn das Navi die Kilometer zum Zuhause runterzählt – mit jeder Ausfahrt wird das Fernweh größer.
Diesmal keimte leise Hoffnung auf. Instagram sei Dank: Irgendwo zwischen Marseille und Milano entdeckte ich die Nachricht, dass bei mir in der Nachbarschaft ein neues Restaurant eröffnet hatte. Klang vielversprechend. Also schrieb ich während der Rückfahrt und wollte für den Abend reservieren – als würdiger Abschluss eines kulinarisch dichten Urlaubs mit Stationen in Lyon, Marseille, Ligurien und Mailand.
Die Antwort kam prompt. Freundlich. Aber eindeutig: „Wir freuen uns, aber wir nehmen keine Reservierungen an.“ Ich nahm’s sportlich. Und beschloss, einfach früh hinzugehen. Bevor der große Andrang beginnt.
Ein paar Stunden später stand ich vor dem Laden. Und ahnte: Der Andrang war längst da. chic cuisine & bar war eingeschlagen wie eine Bombe. Kein Tisch frei – kurz nach sieben. Das Düsseldorfer Szene-Publikum hatte den Ort bereits vereinnahmt. Ich war leicht enttäuscht. Und dann hatte ich Glück: Zwei Plätze an der Theke wurden frei. Und plötzlich war alles gut.




Was dann folgte, versöhnte mich nicht nur – es begeisterte mich.
Die Enttäuschung wich. Der Raum wirkte aufgeladen, vibrierend. Nichts erinnerte mehr an den ehemaligen Asia-Imbiss. Stattdessen: Urbanes Flair mit Seele. Paris? Amsterdam? Mailand? Ja, könnte alles sein – aber eben Flingern. Gespräche flimmerten durch den Raum, Lachen, Gläserklirren. Eine inspirierende Atmosphäre, ohne laut sein zu wollen. Und dann diese vielen kleinen Design-Details, die zeigen: Hier hatte jemand nicht nur Lust, sondern auch Stil.

Die Karte? Unkonventionell strukturiert: Flying – Nasty – Pleasure – Sweets.
Originell. Aber auch: ehrgeizig. Leider hörte ich vom Service mehrfach, was alles schon aus war. Der Erfolg war schneller als die Küche. Ich bestellte zügig: Croquetas Jamón y Manchego, Arancini mit Mozzarella di Bufala, gegrillten Romana mit Crunch und Petersilie sowie Duroc-Chorizo mit Kartoffeln und Schalotten. Was ich am Pass sah, ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Der Platz an der Theke war ein Glücksgriff. Neben mir: die Mutter des Kochs. Am Zapfhahn schenkte sie ein Stück Heimat aus – Moritz Fiege Pils. Für mich, Kind des Ruhrgebiets, ein Glücksmoment. Ich erinnerte mich an den Spruch meines Vaters:
„Selbst das Kindlein in der Wiege schreit nach Pils von Moritz Fiege.“
Wir kamen ins Plaudern, und mit jedem weiteren Moment fühlte ich mich heimischer.

Dann kam das Essen. Und was soll ich sagen: Es war nicht nur handwerklich sauber, es hatte Seele. Man schmeckte die Leidenschaft der Küche. Das Feuer, das hier brennt. Das chic cuisine & bar ist mehr als eine Neueröffnung – es ist ein Statement. Mit einer Handschrift, die international bestehen kann. Und einem Ort, der trotz Szene-Vibe nichts Aufgesetztes hat.





Die Latte nach diesem Urlaub lag hoch. Und dennoch: Düsseldorf hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Natürlich wurde nachgeordert. Die Sweets – Melonensorbet und Vanillecrème mit Erdbeeren, Himbeeren und Crumble – machten das Finale perfekt.


Am Ende war der Abend genau das, was ich nicht erwartet hatte:
Ein leiser Übergang vom Urlaub in den Alltag.
Ein Versprechen, dass besondere Momente nicht nur in Ligurien, Marseille oder Mailand warten – sondern manchmal auch gleich um die Ecke.